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100 Jahre Bauhaus! Ausstellung im Schiefen Haus

Digitale Interpretationen der Stadtkrone für Halle Saale

| Simon Zimmermann

Am Abend des 24. Oktobers 2019 startete im Schiefen Haus in Wernigerode die Vernissage zum Thema „Eine Stadtkrone für Halle Saale – Digitale Interpretation der Entwürfe von Walter Gropius“. Anlässlich des „100 Jahre Bauhaus“-Jubiläums wurden die alten Wettbewerbsentwürfe für eine „Stadtkrone“ von Walter Gropius, einem der Mitbegründer der modernen Architektur, mittels 3D-Programmen neu interpretiert.

Der Begriff „Stadtkrone“ hat sich herausgebildet, um Gebäude-Konzepte zu beschreiben, welche eine Stadt repräsentieren. Die Idee stammt von dem expressionistischen Architekten Bruno Taut.

Idee und Umsetzung dieser Ausstellung gehen auf Prof. Bernd Hanisch (Kunsthochschule Halle), Dr. Christine Fuhrmann (BTU Cottbus) und auf Prof. Daniel Ackermann (Hochschule Harz) zurück.

„Ich mache Bilder von Dingen, die es nicht gibt, nie realisiert worden sind.“  (Prof. Ackermann)

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Prof. Daniel Ackermann: „Die Idee hatten Bernd Hanisch und Christine Fuhrmann. Ich bin durch die Visualisierung nach Anfrage von Bernd Hanisch hinzugekommen und habe mich frühzeitig mit der Überführung der 2D-Pläne und 3D-Modelle von Bernd Hanisch in eine Echtzeitvisualisierung beschäftigt.“

Was stand Ihnen zur Verfügung?

„Hauptsächlich 2D-Pläne der Architektur aus den 1920er Jahren, welche Prof. Hanisch in ein 3D-Modell umsetzte. Diese waren in sich, zumindest in Details, widersprüchig. Wir mussten also oft Kompromisse in den Darstellungen und Interpretationen eingehen, was aber im Rückblick betrachtet ein fruchtbarer Prozess war.“

Um was geht es in der Ausstellung für Sie?

„Es geht vor allem um den ästhetischen Aspekt des Bauhauses. Die Architekturen von Gropius waren und sind durchaus nicht unumstritten, oft als kühl und zu nüchtern bezeichnet. Die Darstellungen in der Ausstellung interpretiert das Bild eines Entwurfes für ein städtisches Bauprojekt, welches sich in seinem Gesamtkonzept integrativ gegenüber dem Menschen und ästhetisch im Umgang mit Räumen zeigt“, erklärt Prof. Ackermann.

Nach der Eröffnung der Vernissage und einem angeregten Talk über die Arbeit verteilten sich die Besucher auf der ersten Etage des Schiefen Hauses.

Ob in dem langen Flur mit leichter Schieflage und einem großen Hauptraum, die Gäste ließen sich hier auf die zahlreichen gerahmten Bilder ein, welche die 3D-Visualisierungen aus verschiedenen Perspektiven zeigen. In einem kleinen, halbdunklen Raum steht ein großer Bildschirm. Auf ihm konnten Besucher das 3D-Modell der Stadtkrone erforschen und sich auf dem virtuellen Gelände zwischen Blickpunkten bewegen.

Hier und dort entsponnen sich bei Wasser und Sekt Gespräche über die computergestützten Darstellungen und die Bauhaus-Architektur. Dabei waren nicht nur die zu bewundernden Artefakte spannend, sondern auch die Kombination mit dem Ausstellungsort selbst: Die Ruhe, die in den Bildern der modernen Architektur liegt, wird durch das Schiefe Haus kontrastiert und damit noch hervorgehoben.

Und all das war Handarbeit!

„Ich habe jede Ecke am Modell angefasst und geschaut, ob es passt“, erzählt Prof. Ackermann.

Wie haben Sie den Prozess erlebt?

„Der Prozess dauert im Grunde immer noch an. Zu den Erkenntnissen gelangen wir über eine sehr lange Zeit, wenn man bedenkt, dass die ersten Visualisierungen schon 2011 zu sehen waren. Die erste Zeit war sehr intensiv geprägt von Kontroversen. Das hat dem Projekt im Nachhinein aber recht gut getan. Wir haben uns dadurch auf den Stil unserer Darstellungen einigen können, der auf papierartigen Architekturmodellen beruht“, erinnert sich Prof. Ackermann.

Nachdem die ersten 3D-Interpretationen 2011 im Ausstellungsprojekt der Stiftung Moritzburg – „Eine Stadtkrone für Halle Saale. Walter Gropius im Wettbewerb“ – gezeigt wurden, hat auch das Team Stadtkrone.VR der Burg Giebichstein Kunsthochschule Halle die Visualisierungen im Zuge des Bauhausjubiläums überarbeitet. In einer aktuellen Ausstellung des Kunstmuseums Moritzburg in Halle können Besucher in die Bilder mittels VR-Technologie eintauchen. Das digitale Museum beherbergt den fast vollständigen Sammlungsbestand zur Moderne der Moritzburg um 1930. In der historischen Turnhalle im Volkspark in Halle gibt es zudem eine VR-Installation unter dem Thema „Hängende Gärten – Eine Stadtkrone für Halle von Walter Gropius in virtueller Realität“. Ferner wird es erstmals möglich sein, die Stadthalle und Konzerthalle interaktiv begehen zu können.

„Eine der sparsamsten Ausstellungen, aber eine der schönsten“, hieß es von Seiten des Publikums. Wie haben Sie die Ausstellung erlebt?

„Die Ausstellung im Museum „Schiefes Haus“ habe ich mit vielen Freunden erlebt, die ich eingeladen hatte. Darunter waren auch Freunde, die den Aushängen und der Presse gefolgt sind. Somit war das eine oder andere Wiedersehen mit Alumni (Ehemaligen) und Kollegen für mich an diesem Abend prägend.“

Pläne für weitere Projekte?

„Nun ja, die Architekturvisualisierung wird mich wohl nicht loslassen. Aktuell betreue ich ein Jahresprojekt mit dem Ziel der virtuellen Bereitstellung von Kunstobjekten. Dabei geht es vor allem darum, die Skalierungprobleme in der virtuellen Darstellung von Kunst in den Griff zu bekommen. Unabhängig von der physischen Größe scheinen virtuelle Objekte oft dimensionslos und zu wenig detailliert. Damit werde ich mich beschäftigen.“

Wer auf dem Laufenden bleiben möchte – zukünftige Ausstellungen, Events, etc. –, schaut ab und an auf dem Blog von „Medieninformatik.de“ vorbei oder, speziell zu Projekten von Prof. Daniel Ackermann auf seinem Profil der Homepage der Hochschule Harz. Ein großes Dankeschön gilt auch dem Museum-Schiefes-Haus, insbesondere an dessen Leiter Rainer Schulze.

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