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Eigenprojekt

| Prof. Martin Kreyßig

Jetzt starten im 4. Semester die Eigenprojekte. Die Studierenden planen, konzipieren, diskutieren ein Semester lang Themen, suchen sich unter den Dozenten einen Mentor als betreuenden Begleiter und stellen Mitte Juni vor der Öffentlichkeit ihr Projekt vor. Daran werden sie dann ein Jahr lang arbeiten. Parallel dazu wird in den Fächern Kreativitätstechniken und Wissenschaftliche Methodik der theoretische Hintergrund vermittelt.

In der früheren Studienstruktur war an dieser Stelle das erste Praktikum verortet. Man ging hinaus in die wirtschaftlich orientierte Welt und gewann erste Eindrücke. Ein enorm wichtiges halbes Jahr, aus dem die Studierenden wundersam verändert, bereichert mit neuem Fachwissen zurückkehrten. Mit diesem Erfahrungsschatz arbeiteten die meisten Studierenden ernster, intensiver, sie gaben uns den Dozenten viel zurück aus ihrem ganz eigenen Wissensfundus.

Nach intensiver und auch kontroverser Diskussion haben wir dieses erste Praktikum aus dem Studium herausgenommen, konnten die Mehrbelastung etwas absenken und installierten an dieser Stelle eine andere Idee: Das Eigenprojekt.

Der Studiengang Medieninformatik bei uns in Wernigerode ist bewusst projektbetont ausgerichtet. Wir wissen aus eigener Erfahrung und vielstimmigem Feedback unserer Absolventen: Projekte sind die beste Schule für die Arbeitswelten, die auf unsere Abgänger warten. Kommunikative Abstimmung, sprechen, zuhören, leiten und führen – die unterschiedlichen Charaktere und Fähigkeiten, Forderungen und Regelwerke in einem Projekt zusammenhalten und zu gemeinsamer Leistung verbünden.

Das Eigenprojekt setzt genau hier an und vertieft den Projektgedanken. Es verstärkt die individuellen Fähigkeiten und Neigungen jedes einzelnen Studierenden, es öffnet noch einmal mehr die Möglichkeit, sich zu prüfen und zu trainieren. Und es stärkt die Motivation, so ist die Hoffnung, für fachliche, sachliche und emotionale Entscheidungen aus eigenem Wissen.

In Grimms Wörterbuch findet sich das Wort EIGEN und seine vielstimmigen Bedeutungszusammenhänge zwischen den Wortfeldern EIFER und EILEN. Damit ist eigentlich alles gesagt. Das Eigenprojekt dient dazu die Eigenheiten zu schärfen, sich des Eigenen zu versichern, das Eigene deutlicher aus dem Allgemeinen herausheben zu können. Und auch die Abhängigkeiten des Eigenen im Anderen und in der Öffentlichkeit zu erkennen.

Die Eigenprojekte werden viele Wege gehen, ich bin sehr gespannt. Man entwickelt ein Stück Software, ein Programm, grübelt über das Thema Interface, verfasst ein Essay, arbeitet über einer streng begrenzten wissenschaftlichen Fragestellung. Oder es entsteht ein Film, eine Animation, ein Spiel, ein Buch mit Zeichnungen, ein fotografisches Projekt, eine Musik.

Das Eigenprojekt – eine 18-monatige Trainingszeit – bereitet die Bachelorarbeit vor, diese intensive und individuelle Abschlussarbeit, mit der die Studierenden zeigen, wie sie anwenden, was sie während der sieben Semester gelernt haben. Aber ebenso wichtig wie Noten ist das Portfolio, mit dem sich die Studierenden bewerben. Im Eigenprojekt steckt für jeden Studierenden die Möglichkeit, ein eigenes Juwel zu erschaffen, das den Fächer der Studienarbeiten besonders schmückt.

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