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„Ich habe nie nicht gezeichnet“

Studentin Annette Oefner über ihr Comic-Projekt "Rust City" und ihr Zeichen-Talent

| Johanna Daher

Sie erschafft eine neue Welt. Meistens hinter dem großen Tablet. Stundenlang sitzt Studentin Annette Oefner hier und zeichnet: Settings, Charaktere, deren Mimik, Storyelemente. Die Welt zu ihrem Großprojekt „Rust City“ hat sie genau vor Augen. Jetzt gilt es, leere Blätter zu füllen bis der geplante Comic fertig ist. „Die Briten regieren die graue Stadt Sky Empire. Die Ressourcen sind knapp. Nummer 217 – der leichtsinnige Junge „Drake“ – setzt alles daran auszubrechen. In seinen Impuls-Träumen, gepusht durch die illegale Droge Dust, sieht er den hellen Himmel und träumt vom Fliegen“, erzählt die 24-Jährige begeistert.

Das Ganze wird ein Psycho-Thriller in einem dystopischen Science-Fiction-Setting. „Die Idee dafür hatte ich schon nach meinem Soziologie-Bachelor“, erinnert sich die Studentin des Masterprogramms „Medien- und Spielekonzeption M.A.“. „Ich mag Science-Fiction und wollte einen ernsthaften Comic zeichnen.“

Persönliche Geschichte verarbeitet

In „Rust City“ verarbeitet Annette Oefner viele Momente und Gedanken aus ihrem eigenen Leben. „Da steckt viel Persönliches drin, es ist sehr reflektiert. Ich war früher selbst ein Rebell, der aus der Lebenswelt ausbrechen wollte“, erzählt sie. Ihre unterschiedlichen Seiten spiegeln sich in den einzelnen Charakteren wieder.

Der Fokus liegt auf der Hauptfigur Drake. „Er steht für das Kreative, das ich im Leben machen möchte, auch wenn es andere nicht für richtig halten. Meine Mutter fand das nicht gut, dass ich immer etwas Künstlerisches machen wollte.“ So studierte Oefner zunächst Soziologie, bevor sie sich ihrem kreativen Master an der Hochschule Harz widmete. „Der Bachelor hat viel Einfluss auf den Comic, weil er die Art, wie ich die Welt sehe, geformt hat. Und das fließt mit ein“, sagt die Studentin.

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Der Antagonist als Liebling

Zwei weitere Charaktere nennt die Zeichnerin, die ebenfalls Teile ihrer Persönlichkeit verkörpern. „Der Sidekick oder auch Mentor von Drake will das Richtige machen. Er ist ein einsamer Kämpfer. Früher habe ich immer gedacht, dass der Sinn des Lebens ist, Gutes zu tun. Deshalb war damals mein Traum, in die Entwicklungshilfe zu gehen. Das spiegelt sich in ihm wieder.“

Der dritte im Bunde ist der Antagonist, der für Recht und Ordnung steht, genauso wie für einen tollen Status im Leben und eine erfolgreiche Karriere. „Natürlich ist das etwas, was man sich ja auch wünscht“, sagt die Studentin. Obwohl sie den Fokus mit Drake bewusst auf ihren kreativen Part gelegt hat, ist der Antagonist ihr Lieblingscharakter: „Er ist sehr zerrissen und entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Er will der Norm entsprechen, aber gleichzeitig er selbst sein. Dadurch wird er so ein bisschen der Antiheld. Das macht ihn aber auch so spannend“, verrät Oefner.

 

Am Anfang war der Manga

Wie sie zum Zeichnen gekommen ist? Annette Oefner überlegt kurz und sagt dann: „Ich habe nie nicht gezeichnet.“ Früher nutzte sie häufig Acryl-Farbe. Das erste, was sie gezeichnet hat, war ein Manga, als sie anfing, Animes zu schauen. „In den Osterferien habe ich dann mal mit einer Freundin unsere erste Geschichte auf 100 Seiten umgesetzt. Sie hat die Story geschrieben und ich gezeichnet. Es ging um eine Agentin, die so ein bisschen wie Kim Possible war“, erinnert sie sich.

Trotz ihrer langen Erfahrung bereiten ihr einzelne Dinge Probleme bei „Rust City“. „Es ist so schwierig den Sidekick zu malen“, sagt sie und fügt hinzu: „Er soll androgyn aussehen, aber männlich wirken. Durch das ovale Gesicht und die feine Nase ist das nicht so einfach. So saß ich drei Stunden, um acht Expressions zu überarbeiten.“

„Comic Con“: Das erste Feedback

Seit einem Jahr entwickelt die Studentin den Comic in den Kursen Theorie- und Praxisprojekt, das Drehbuch ist bereits fertig. Insgesamt drei Bände sollen es werden. Ihr erstes Feedback von Unbekannten hat sie sich im vergangenen Jahr auf der „Comic Con“ geholt. Dort hatte sie einen Stand, an dem sie erste Zeichnungen und Story-Elemente präsentierte. „Das war super spannend, wer sich dafür interessiert. Überraschend war, dass es gleichermaßen Frauen und Männer angesprochen hat. Der Sidekick war sehr beliebt. Ich vermute, das liegt an seinem japanischen Look, da auf der Messe sehr viel zum Thema Manga ausgestellt war“, erzählt sie.

Auch in diesem Jahr wird sie die Fortschritte von „Rust City“ präsentieren. Sowohl wieder auf der „Comic Con“ als auch auf der DoKomi. Und auch ihre Masterarbeit wird Teile des Comics aufgreifen. „Ich beschäftige mich darin mit Storytelling anhand grafischer Novellen. Darin werde ich eigene Beispiele bringen, den ganzen Comic durchskribbeln und bestimmte Szenen ausarbeiten“, sagt Annette Oefner. Sieben oder acht Nebencharaktere kommen dann noch dazu. Wann sie das Ganze veröffentlichen wird, ist noch unklar. Und was kommt nach dem Master? „Mein Traumjob wäre Storyboard-Artist. Da hatte ich im Studium einen kleinen Auftrag von einer Gaming-Firma. Ich bin Zeichner statt Painter und liebe es den Augenblick mit all seinen Emotionen festzuhalten. Deshalb zeichne ich Comics so gerne – denn die leben davon.“ Und wie sieht ihre Mutter das? „Die sieht das mittlerweile anders, da sie erkannt hat, was ich mache und wie ich darin aufgehe“, sagt sie lachend.

 


Dieser Artikel ist Teil der Rubrik „Mein Studium“. In dieser stellen Studierende ihren Studiengang mit Hilfe ihrer eigenen Interessen und ihrer damit verbundenen Kurswahl vor.

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