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Illusionen

| Prof. Martin Kreyßig

Obwohl wir als Multimediaprogrammierer und Gestalter nicht mehr direkt auf dem Jahrmarkt als eine Art Schausteller arbeiten und mit Grusel- und Spiegelkabinetten das Publikum fesseln, sind wir doch mit diesem Gewerbe verwandt. Wir handeln mit Illusionen, präsentieren bunte Bilder, die drei Dimensionen versprechen oder bewegen die Filmkamera, um Perspektive und Raumwahrnehmung zu vermitteln. Wir organisieren Farben harmonisch oder bewusst gegen den Strich, um das Publikum zu führen, es emotional zu leiten, damit es die Inhalte gerne zur Kenntnis nimmt, sich vertieft, vielleicht sogar sich in diesen gebauten künstlichen Welten verliert, wie es mit dem streitbaren Begriff der Immersion in der Fachliteratur umschrieben steht.

Das Buch „Illusionen des Sehens“ von Thomas Dinzinger sollte daher in keinem Bücherregal eines Medieninformatikers fehlen, denn es bietet eine spannende Reise durch optische Täuschungen, physiologische Phänomene, die Farbenwelt und besonders, wie Bewegungen erkannt und in Bildern suggeriert werden. Die Welt der visuellen Wahrnehmung.

Passend daher auf eine Ausstellung hinzuweisen, die bis zum 24. Mai 2010 im Buccerius Kunstforum in Hamburg präsentiert wird: „Täuschend echt. Illusion und Wirklichkeit in der Kunst.“. Hier werden hervorragend ausgesuchte Ausstellungsstücke von der Antike bis zur Gegenwart präsentiert, die alle Formen und Spielarten von Illusion und perspektivischer Täuschung beispielhaft vorführen. Hervorzuheben seien hier die Exponate des zeitgenössischen Bildhauers Thomas Demand, der seine Skulpturen zu Fotografien umformt. Wie schnell dabei Kunst und Fälschung in den Bereich von Betrug geraten kann, zeigt die Arbeit des 1805 im Gefängnis Altona einsitzenden Fälschers Erci Gabriel Torsgren. Er sortierte Stiche, Buchseiten und Titelblätter Hamburger Tageszeitungen und kommentierte damit das kriminelle Handwerk des Fälschers – als Kunstwerk. Diese sogenannten Augentäuschungen (frz. Trompe-l’œil) bieten gute Unterhaltung und schulen die Wahrnehmung. Der in Wien lehrende Robert Pfaller beschäftigt sich mit derlei Lustempfindungen auf philosophische Weise und sein Buch „Die Illusion der anderen“ sei daher in diesem Zusammenhang ausdrücklich empfohlen.

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