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Evolution statt Revolution

Redesign des Magazins »Frauen machen Informatik«

| Prof. Martin Kreyßig

Die Fachgruppe Frauen und Informatik setzt sich seit Ihrer Gründung im Jahr 1986 für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an der Informationstechnologie und für tatsächliche Chancengleichheit im Berufsleben ein. Mit dem stärkeren Bekanntmachen der hohen Kompetenz von Informatikerinnen in Berufswelt und Öffentlichkeit, dem Angebot der Vernetzung und frauenbezogener Informationen möchten die Mitglieder der Fachgruppe auch als Rollenmodelle das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an der Informatik wecken.

Neben dem internen Austausch der Mitglieder und der Veranstaltung von Symposien und Konferenzen publiziert die Fachgruppe jedes Jahr eine Ausgabe ihres Magazins »Frauen machen Informatik«. Hier werden nicht nur aktuelle Themen aus der Arbeit der Fachgruppe zusammengeführt, sondern auch Fachbeiträge von Informatikerinnen zum jeweiligen Schwerpunktthema des Heftes veröffentlicht. 

Und dieses Magazin brauchte dringend ein Redesign! Da kamen dann im Wintersemester 2020/21 die Medieninformatikstudierenden der Hochschule Harz ins Spiel, die hier nicht nur ihre typografischen Fähigkeiten im Editorial Design erweitern und unter Beweis stellen konnten, sondern auch noch ein Magazin-Redesign für eine Zielgruppe konzipieren sollten, zu der sie selbst gehören.

Im Rahmen der Berufsfeldorientierung Typografie unter der Leitung von Diplomdesigner Gregor Theune sollten die Studierenden also innerhalb eines Semesters Entwürfe für die Neugestaltung des Magazins »Frauen machen Informatik« entwickeln, um diese dann in einem zweistufigen Auswahlverfahren der Fachgruppe zu präsentieren. 

Dafür musste nicht nur eine neue Titelgestaltung mit Titelkopf und möglichen Folgetiteln für weitere Ausgaben konzipiert, sondern auch ein kohärentes Design der Innenseiten entwickelt werden. Und für die sinnvolle Gestaltung der Innenseiten mussten Lösungen für eine Heftstruktur und -navigation (mit Rubrizierung und Inhaltsverzeichnis) und für einen typografischen Gestaltungsraster gefunden werden.

Diese Schritte sind natürlich eng verknüpft mit der strategischen Positionierung und redaktionellen Konzeption eines Magazins. Und hier lagen sicherlich auch die größten Herausforderungen für die Studierenden, da das Magazin »Frauen machen Informatik« in der bisherigen Form sehr feste Parameter vorgibt.

Durch die wissenschaftlich geprägten Texte, die von den Autorinnen eingereicht werden, muss die Gestaltung der Innenseiten flexibel genug sein, um Texte unterschiedlicher Länge mit sehr unterschiedlichem Bildmaterial aufnehmen zu können. Denn die Fachbeiträge werden nicht wie in einer klassischen Zeitschriftenredaktion in der Länge redigiert oder das Bildmaterial von einer Bildredaktion beauftragt bzw. eingekauft. Darüber hinaus war eine weitere Herausforderung für die Studierenden das Magazin und die Inhalte mit wenigen Eingriffen sowohl für ältere Mitglieder der Fachgruppe als auch den interessierten, zukünftigen Nachwuchs visuell attraktiv aufzubereiten.

Und als wäre das nicht schon Realität genug für solch einen studentischen Entwurf, mussten die Studierenden auch noch die Gestaltungsrichtlinien des Corporate Designs der Gesellschaft für Informatik berücksichtigen und wurden von Gregor Theune zudem aufgefordert Lösungen zu entwickeln, die mit kleinstem Budget zu realisieren wären.

Alles in allem war das für unsere Studierenden der Medieninformatik und aus dem Masterstudiengang Medien- und Spielekonzeption deshalb eine spannende Herausforderung und führte zu der Einsicht, dass das Redesign des Magazins eine Weiterentwicklung des bisherigen Designs sein muss – Evolution statt Revolution.

Insgesamt haben 13 Studierende an der Lehrveranstaltung teilgenommen, und nach einer Präsentation aller Entwürfe haben Prof. Dr. Kerstin Schneider (Lehr- und Forschungsgebiet Datenbanken an der HS Harz und Mitglied der Fachgruppe Frauen und Informatik) und Dozent Gregor Theune (Fachgebiet Visuelle Kommunikation an der HS Harz) fünf studentische Entwürfe ausgewählt. Von streng bis verspielt, von abstrakt über illustrativ bis zu vollformatig eingesetzter Fotografie – die ausgewählten Entwürfe zeigen eine große Bandbreite an gestalterischen Lösungen für ein Redesign des Magazins »Frauen machen Informatik«.

Und diese fünf – nämlich Viola Hößl, Johanna Kirsch, Arnulf Quint, Oskar Stipani und Philip Lee Tödter – haben sich dann nach dieser ersten Auswahlrunde noch mal an die Arbeit gemacht und zusätzliche Ideen zur Adaption ihrer Entwürfe für andere Kanäle wie einen Faltflyer oder ein Hero Image für die Website entwickelt. Dann ging es in die gemeinsame Präsentation dieser fünf Entwürfe vor den Verantwortlichen der Fachgruppe.

Die finale Entscheidung fiel der Fachgruppe aufgrund der Qualität der präsentierten Konzepte nicht leicht, aber nach intensiven Beratungen wurde der Entwurf von Philip Lee Tödter gewählt – die Neuinterpretation der bisherigen Titelgestaltung mit vollformatig eingesetzter Fotografie überzeugte die Entscheiderinnen. Daraufhin setzte Philip Lee Tödter weitere Änderungswünsche der Fachgruppe um und bereitete den Entwurf so vor, dass die professionelle Setzerin möglichst einfach weiterarbeiten kann.

Wir freuen uns nicht nur, dass die Studierenden an einem konkreten Beispiel die Themen rund um das Editorial Design vertiefen konnten, sondern auch ganz besonders über die sehr abwechslungsreichen Entwürfe der Teilnehmer*innen. Jetzt heißt es noch ein wenig warten bis die erste gedruckte Ausgabe von »Frauen machen Informatik« im September im neuen Design erscheint.

Wer mehr erfahren möchte, bitte hier klicken: Fachgruppe Frauen und Informatik der Gesellschaft für Informatik e.V.

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