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Kooperation: Japan und Deutschland als Team

Studierende der der Technischen Universität Tokyo und der Hochschule Harz entwickeln gemeinsam Spiele

| Johanna Daher

„Japan und Deutschland als Team“ – so könnte man die neue Kooperation der Hochschule Harz mit der Technischen Universität Tokyo überschreiben. Gemeinsam mit Studierenden beider Institutionen sind zwei Spiele entwickelt worden. Um dieses Projekt im Kurs „Destributed Game-Development“ zu realisieren, war unser Professor Dominik Wilhelm zuvor in Japan, jetzt kam es zum Gegenbesuch: Prof. Koji Mikami schaute sich unsere Räume und technisches Equipment an, inklusive offizieller Begrüßung von Dekanin Prof. Dr. Andrea Heilmann.

Zum ersten Mal reiste Professor Mikami nach Deutschland und zum ersten Mal lernte er die deutschen Studierenden des Kooperations-Projekts persönlich und ohne Live-Schaltung kennen. „Meine Studenten haben viel gelernt, das ist wirklich ein tolles Projekt. Vielleicht könnten wir Skizzen von den Games bei uns in Japan ausstellen“, sagt er auf Englisch. Professor Wilhelm ergänzt: „Das ist ein Projekt, das wir auf jeden Fall weiterführen sollten.“

In Planung: Offizielle Kooperation mit Förderprogramm

Dass diese Kooperation ausgebaut werden sollte, findet auch Katja Betker, Leiterin des Akademischen Auslandsamts der Hochschule Harz. Zum Treffen mit beiden Professoren hat sie die Infos für ein Förderprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) mitgebracht. Damit könnte es zukünftig gelingen, dass Studierende die Kosten für die Reise nach Japan bezahlt bekommen und der Austausch intensiviert werden kann. Ob die Partner das unterschreiben wollen? Definitiv. Zustimmung von beiden Seiten.

Und auch für die Studierenden des „Destributed Game-Development“-Projekts im Studiengang Medieninformatik (B.Sc.) käme ein Austausch in Frage. Ihre Augen leuchten und sie nicken begeistert, als Professor Wilhelm ihnen von der Möglichkeit berichtet.

 

Organisation: Von Sprachbarrieren und Zeitverschiebung

Mona Holtmann und Aykut Sevim sind die studentischen Projektmanager der beiden entstanden Spiele auf deutscher Seite. Eine anspruchsvolle Aufgabe, da sie nicht nur das Team motivieren und die Umsetzung planen mussten, sondern Sprachbarrieren und Zeitverschiebungen zu meistern hatten. „Unsere japanischen Mitglieder können kaum Englisch. Schreiben geht, sprechen so gut wie nicht. Wir chatten viel. Bei der Video-Telefonie haben wir gemerkt, wie sie den Text beispielsweise mit dem Google-Übersetzer übersetzen“, sagt Holtmann. Bei Sevims Gruppe ist das anders, wie er erzählt: „Einer der japanischen Studenten spricht gut Englisch. Er übersetzt hin und her, erklärt also seinen japanischen Kollegen, was wir sagen wollen und uns, was sie meinen.“ Was sich ebenfalls bewährt hat: Viele Zeichnungen. „Wir haben unsere Story und das was wir gemacht haben, immer aufgemalt, damit wir eine gemeinsame Vision entwickeln können und die Partner sich das bessser vorstellen können“, sagt Mona Holtmann.

Denn genau das ist bei ihrem Spiel „Ghostory“ besonders wichtig, da es ein storybasiertes Adventure-Spiel mit Point-and-Click ist. Es erzählt die Geschichte eines ermordeten, deutschen Doktors in Japan. Mittels Zeitreisen soll der Spieler herausfinden, wieso er getötet wurde. „Wir spielen einen 16-jährigen Jungen, der den Geist des Ermordeten in die Vergangenheit begleitet. Der Geist will endlich Frieden finden. Das kann er aber nicht, wenn er den Grund für seinen Tod nicht kennt“, sagt die Studentin der Medieninformatik. Mit Hilfe von Cinematic-Szenen springt der Spieler dabei zwischen Deutschland und Japan hin und her. Ihr Lead-Programmierer sitzt in Deutschland, das Game-Design haben sie nach Japan abgegeben. Bis Ende Februar ist ein Vertical-Slice entstanden, seitdem arbeitet das Team weiter an dem Spiel.

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Vorbereitet: Spiel für japanischen Besuch in Deutschland

Medieninformatik-Student Aykut Sevim realisiert mit seinem Team ein Augmented-Reality-Spiel. Er erklärt: „Es ähnelt Pokémon-Go. Eigentlich wollten wir ein Rouge-like Game machen, aber das wollten die japanischen Kommilitonen nicht. Jetzt ist es so: Man erkundet die Gegend mit einer App, AR- und Suchfunktionen. Die Bilder, zum Beispiel von der Tasse auf unserem Campus, werden gescannt und sind mit Code verknüpft.“ Zwischendurch müssen die Spieler aber auch gegen Gegner kämpfen und kommen ohne die Suche nicht weiter. Sie müssen also den Campus erkunden.

Das Ziel: „Falls die japanischen Studierenden herkommen, können wir im Teamspiel die Hochschule spielerisch entdecken“, sagt der Student. Die Aufteilung der Mitglieder sieht bei ihnen wie folgt aus: Die Art- und Code-Leader sitzen in Deutschland, den Sound haben sie komplett nach Tokyo abgegeben. Die Meetings der einzelnen Abteilungen wie des gesamten Teams finden ein Mal pro Woche statt. Bei den Treffen wird der aktuelle Stand besprochen. Auch diese Gruppe hatte Ende Februar einen Vertical-Slice umgesetzt, der gespielt werden kann.

Fazit: Meinung der Projektmanager

Ein Kurs mit Japan-Kooperation – eine gute Idee? „Ja, das ist super sinnvoll. Wir haben nicht nur zusammen gearbeitet, sondern auch über die unterschiedlichen Kulturen geredet und Klischees gegenseitig abgefragt. Ich würde das immer wieder machen“, sagt Sevim. Mona Holtmann ergänzt: „Ein tolles Projekt, gerade wenn man in die Projektmanagement-Richtung gehen will. Es war sehr herausfordernd aber auch total spannend. Wie begrüßt man sich eigentlich? Wie arbeitet man in Japan? Die haben da beispielsweise so ein Hierarchie-Denken. Den Kurs sollte es auf jeden Fall wieder geben.“

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