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Im Interview: Diplomdesigner Gregor Theune

Sein erstes Jahr an der Hochschule Harz, von der Fotografie und geplanten Projekten

| Simon Zimmermann

Nationale und internationale Ausstellungen, preisgekrönte Arbeiten sowie Herausgeber eines Fachbuchs.

Gregor Theune – freiberuflicher Fotograf und Designer – ist seit dem Sommersemester 2019 Lehrkraft für „Visuelle Kommunikation“ an der Hochschule Harz im Bachelorstudiengang Medieninformatik und Masterstudiengang Medien- und Spielekonzeption.

Das Portfolio spricht für sich. Wir möchten mehr von seinem ersten Jahr an der Hochschule Harz, der Fotografie oder neuen Projekten erfahren und haben Gregor Theune befragt.

Springen wir zurück in der Zeit.

Wie sind Sie zum Grafikdesign / der Typografie gekommen? Was ist für Sie das Besondere daran? 

„Ich bin über einen Ausflug in die Architektur zum Kommunikationsdesign gekommen. Ich habe zunächst Architektur an der TU Dortmund studiert, dann aber das Studienfach und die Universität gewechselt. Ich bin für das Kommunikationsdesignstudium an die Folkwang U.d.K. gewechselt und habe mich dort mit Themen der Fotografie, dem Grafikdesign und der Typografie intensiv auseinandergesetzt. Das Spannende am Kommunikationsdesign ist die Vielfalt der Themen, und deren Einfluss auf unser aller ganz alltägliches Lebensumfeld. Bei dieser Arbeit laufen so unterschiedliche gestalterische, konzeptionelle, strategische und inhaltliche Fäden zusammen, dass sie immer herausfordernd und spannend bleibt. Darin ähnelt das Kommunikationsdesign der Architektur, ist aber wesentlich schneller.“

Seit 2009 arbeiten Sie als freier Fotograf. Was bedeutet die Fotografie für Sie?

„In meiner Tätigkeit als freiberuflicher Fotograf arbeite ich ganz klassisch für sehr unterschiedliche Kunden aus der Wirtschaft, vom kleinen Architekturbüro bis zum größeren Konzern.

Neben meiner angewandten Tätigkeit arbeite ich im Kontext eines Artistic Research an verschiedenen freien fotografischen Projekten, die sich vornehmlich mit den komplexen Abhängigkeiten von Architektur und Gesellschaft und ihren unterschiedlichen Protagonisten beschäftigen. Schwerpunkte sind für mich dabei Fragen nach Besitzverhältnissen von öffentlichen Räumen, der politischen Dimension von Gestaltung in eben jenen, lokalen Formen der Aneignung und städtebaulichen Einschreibungen gesamtgesellschaftlicher Transformationsprozesse.

Die Fotografie dient mir dabei häufig als Einstieg in eine differenzierte Betrachtung eines Themenkomplexes. Über die Neugier, die fotografische Auseinandersetzung und die spätere Auswertung und Arbeit mit dem Bildmaterial finde ich dann zu einer theoretischen Ebene eines solchen Themenkomplexes. Fotografie ist für mich also ein wichtiges gestalterisches Ausdrucksmittel, aber genauso auch ‚Mittel zum Zweck‘.“

Wie kamen Sie auf das Themenfeld „Architektur und Gesellschaft“ und warum hat es Sie zu fotografischen Projekten inspiriert?

„Wie bereits erwähnt habe ich mich vor meinem Studium des Kommunikationsdesigns lange und intensiv mit Architektur- und Städtebauthemen beschäftigt, und das hat sich auch später nicht geändert. So war es ein logischer Schritt diese Themen in meiner Arbeit miteinander zu verknüpfen, wenn auch dieser Schritt kein strategischer war. Ich bin dabei meinen Interessen und den Fragen gefolgt, die sich aus vorangegangenen Arbeiten ergeben haben.“

Als weiteren Schritt haben Sie damals ein eigenes Design-Studio gegründet. Haben Sie einen Tipp für Personen, die vor derselben Entscheidung stehen?

„Ich habe mich sowohl als freiberuflicher Fotograf selbständig gemacht als auch mit zwei Partnern ein Design-Studio für Markenentwicklung und Kommunikation gegründet. Es gibt natürlich kein Patentrezept für den Erfolg einer Unternehmung, und noch dazu ist nicht jeder Mensch gleich. Was aber mit Sicherheit gilt: Man sollte unbedingt ehrlich mit sich selbst sein und Antworten auf die Frage finden was denn die eigene, individuelle Motivation für diesen Schritt ist. Es braucht Ideen, Mut, Durchhaltevermögen, ein bisschen Struktur und ganz viel intrinsische Motivation für die Selbständigkeit. Und wenn es um das gemeinsame Gründen mit Partnern geht, dann nehmen Sie sich die Zeit Strukturen und Prozesse zu planen und diese auch festzuhalten. Sie können und sollten sich bei diesen Schritten auch beraten lassen. Denn beim Gründen hat man ja eine – hoffentlich gute – Idee für eine Unternehmung, meist aber keinen Überblick über Steuerfragen oder Gesellschafterverträge.“

(Interessant an dieser Stelle: Unter den Spezialisierungen, die im Verlauf des Masterstudiengangs Medien- und Spielekonzeption ausgewählt werden können, gibt es das Modul „Start-up“, in dem wichtige Voraussetzungen und Herausforderungen für eine erfolgreiche Gründung besprochen werden.)

Nach Lehraufträgen an der TU Darmstadt, der Folkwang U. d. K. und der Fachhochschule Münster, MSA – Münster School of Architecture wurden Sie letztes Jahr im Sommersemester 2019 Dozent an der Hochschule Harz.

Wie haben Sie ihr erstes Jahr an der Hochschule Harz erlebt?

„Ich finde es toll, dass unsere Studierenden Lern- und Arbeitsgruppen bilden, und dass wir es den Studierenden ermöglichen können in unseren Arbeitsräumen frei zu arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich und fordert von allen ein umsichtiges Miteinander – aber gerade den Austausch untereinander außerhalb der Veranstaltungen halte ich für einen wichtigen Baustein für ein erfolgreiches Studium. Es ist wünschenswert, wenn das gemeinsame Arbeiten und der Austausch der Studierenden untereinander funktioniert oder vielleicht sogar noch intensiver wird.“

Wie würden Sie ihr Lehrziel beschreiben?

„Zentraler Bestandteil einer Hochschullehre sollte in meinen Augen neben der Wissensvermittlung immer auch die Schaffung eines optimalen Lernumfeldes für eine diverse Studierendengruppe sein. Auf der Grundlage von Empathie, individueller Förderung, Interdisziplinarität und intensivem Austausch möchte ich eine Lernsituation zu schaffen, die die Studierenden auf ihrem individuellen Weg zu einem selbstbewussten, kompetenten und verantwortungsvollen Mitglied der akademischen und gestalterischen Gemeinschaft unterstützt.

Diese Lernsituation sollte unbedingt geprägt sein von Neugier und Offenheit – Offenheit im Dialog, aber auch Offenheit in Lern- und Arbeitsprozessen. Auf dem Weg zu konzeptionell denkenden Menschen möchte ich die Studierenden in ihren kommunikativen Fähigkeiten, ihrer Neugier und dem experimentellen Arbeiten fördern.“

Apropos Förderung: Was wäre ihr Rat für Nachwuchs-Designer/Fotografen, um sich weiterzuentwickeln?

„Schaffen Sie sich Strukturen, in denen Sie sich mit Gleichgesinnten austauschen können. Nehmen Sie sich ein Stück Studium mit und diskutieren Sie eigene und fremde Arbeiten mit anderen. Suchen Sie Herausforderungen und Austausch – das wird Sie voranbringen.“

Zum Schluss noch eine Frage: Arbeiten Sie derzeit an neuen Projekten?

„Ich arbeite seit längerer Zeit an einem freien fotografischen Projekt, das sich mit dem europäischen Wohnen und europäischen Wohnwelten auseinandersetzt. Die Arbeit spürt dem Gestaltungs- und Distinktionswillen einer urbanen europäischen Mittelschicht nach und verhandelt die narrative Dimension der aus diesem Gestaltungswillen resultierenden Eingriffe – was können sie über zeitgenössische Wohnvorstellungen und die Zeitlichkeit von Architektur erzählen?“

Vielen Dank an Gregor Theune für seine Zeit. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und ein inspirierendes neues Semester!

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